Erster Wanderritt
Der Rosenhof in Issigheim
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In Westernklamotten
Los gehts
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Blick zurück
Die Naumburg
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Nach der LKW Attacke
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Blick zurück über Heldenbergen
Picknick
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Der Flur
Die riesigen Strohballen
Der Westernhof in Ostheim
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Fliegenplage
Mein erster Ritt auf Higgy
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Es dämmert schon
Oh, man sind wir müde
Der traurige Blick
In den Hof geschaut
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Der Rosenhof
Die Gamaschen sind ätzend
Beim Frühstück
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Wie die Pfadfinder
Glückliche Pferde
Über Land von Issigheim
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Unser erster Wanderritt
In den Reiterurlaub nach Issigheim

 

Ende Sommer 1995 beschlossen Tina und ich einen Reiterurlaub der besonderen Art zu machen. Besondere Art deshalb, weil wir von Tür zu Tür in den Urlaub reiten wollten und in unserem Stall jeder davon laut träumte, aber noch niemand so etwas gemacht hatte.

Wir wollten uns von der Allgemeinheit abheben und nicht nur davon träumen, sondern auf eigene Faust versuchen, diesen Urlaub zu verwirklichen. Nicht mit dem Auto, wie andere Leute. Nein, es sollte ein Stück Marlboro-Freiheit werden.

Schon Wochen vorher haben wir uns Gedanken gemacht. Dieser Urlaub mußte gut organisiert werden. Es mußte nicht nur an unser Wohl gedacht werden, sondern auch an das unserer Jungs. Denn die hatten allerhand zu arbeiten, bis wir an unserem Ziel ankamen.

Damit sie genügend Kondition bekamen, trainierten mit ihnen sooft es nur ging. Bei jedem Trail, der im Stall organisiert wurde, machten wir mit.  Ins Gelände ritten wir so oft es ging, sogar bei jedem Wetter. Auf diese Weise übten wir die verschiedenen Gefahren, die uns begegnen könnten. Nando und Higgins machte das sehr viel Spaß und sie belohnten uns mit Gehorsam und Fleiß.

Zuerst mußte ein Ziel gefunden werden, mit der Prämisse, daß wir es an einem Tag erreichen konnten, auch wenn wir uns verirren sollten.

Tina erinnerte sich, daß Sie als kleines Mädchen auf dem Rosenhof von Issigheim Urlaub gemacht hat. Nachdem Sie mir einige Erinnerungen schilderte, war ich sofort überzeugt. Wir schauten in eine Landkarte, wo sich in etwa dieses Issigheim befindet und nach einem Telefonat wußten wir, diesen Hof gibt es noch. Nicht nur das, wir durften auch als Erwachsene dort unterkommen. Denn eigentlich war es immer noch ein Ponyhof für Kinder, der, wie wir inzwischen wissen, auch heute noch ein sehr beliebtes Urlaubsziel der Kinder ist.

Issigheim liegt in der Nähe von Bruchköbel bzw. Maintal/Hanau. In einer sehr ländlichen Gegend mit viel Wald, ausgedehnten Feldern und kleineren Orten. Uns schwebte ein Ritt vor, der fast ausschließlich durch die Natur führte. Damit wir auch auf unsere Kosten kamen was das Marlborogefühl betraf. Hessen ist nicht Amerika. Aber man kann ja träumen. Um die örtlichen Gegebenheiten zu prüfen, fuhren wir erst einmal alleine dorthin.

Der Hof wird von einer Familie von Schwerdtner geleitet. Es ist ein alter Adel aus dem Ostdeutschen Raum (glaube ich). Die Gebäude sind sehr alt und haben dadurch einen unglaublichen Flair. Haupthaus, Stallungen und Nebengebäude sind aus Fachwerk und in U-Form angeordnet. So bildet sich ein kleiner Hof mit etwas Grünfläche und Kopfsteinpflaster. Im Hauptgebäude gibt es eine kleine Küche in der eine gute Fee jeden Tag aufs neue für das leibliche Wohl seiner Gäste sorgt. Und das, wie wir finden, sehr gut.

Es gibt 2 große Speiseräume, einer davon hat sogar einen riesigen offenen Kamin. Alles an dieser Einrichtung erinnert an ein altes Schloß oder Rittergut (ohne Rüstungen). Überall hängen alte Bilder mit Pferden oder Gebäuden von den Vorfahren. Man hat den Eindruck in England auf einem großen Cottage zu sein. Wir fanden das herrlich. Die Unterkünfte waren einfach und robust, halt für Kinder gemacht, mit Hochbetten, einem kleinen Bad, Stuhl, Tischchen u. s. w.

Im Stall gibt es sogar noch diese alten Ständer in denen in früheren Zeiten die Pferde mit dem Kopf am Futtertrog angebunden standen. Sie werden zum Glück schon lange nicht mehr benutzt. Familie von Schwerdtner ist sehr pferdefreundlich. Dieser Hof ist einfach sehenswert. Genug der Schwärmerei.

Für unsere Jungs gab es je eine eigene, moderne Box mit einem Fenster (offen) aus dem sie nach Lust und Laune herausschauen konnten. Die Fenster waren direkt auf einen Sandplatz gerichtet, auf dem sich oft Kinder mit den hauseigenen Ponys tummelten.

Auf der Heimfahrt war das Geschnatter groß, wir waren schon ganz aufgeregt. Daheim angekommen, wurde erst einmal eine Checkliste geschrieben. Was müssen wir alles mitnehmen bzw. was muß schon am Urlaubsort vorhanden sein?

Ganz so unbequem wollten wir es uns doch nicht machen. Alles auf den Pferden mitschleppen. Das hatten wir nicht im Sinn. Autos sind eine praktisch Erfindung.

Während der ganzen Planung haben wir tausendmal miteinander Telefoniert, da uns immer wieder etwas Neues eingefallen ist. Unsere Chefs wurden langsam sauer.

Tinas Chef hatte mich sogar einmal heftig angefahren, ob ich nichts zu tun hätte. Au weia, das hat gesessen. Mein Chef ist doch viel lieber!

Der Tag der Abreise rückte heran.

Einen Abend vorher packten wir unsere Koffer und fuhren mit zwei Autos nach Issigheim, ließen die Koffer und ein Auto dort. Wieder Zuhause angekommen, machten wir uns daran, die Pferdeutensilien für den nächsten Tag zusammen zu stellen.

Los geht's

Der große Morgen der Abreise war da. Ich habe vor Aufregung kaum ein Auge zugetan und Tina, die kann immer Schlafen, selbst wenn eine Bombe einschlägt.

Früh morgens trafen wir uns in Tinas Wohnung und zogen uns die Westernklamotten an, es sollte ja zünftig sein und warfen noch einmal einen prüfenden Blick in die Karte. Vor lauter Aufregung fühlten wir uns schon erschlagen bevor es überhaupt losging.

Im Stall angekommen, wurden die Jungs als erstes begrüßt und bekamen ihre Mäuler noch mal mit Leckerlies voll gestopft. Sie wurden geputzt, gesattelt, die vollen Packtaschen draufgebunden, noch ein paar Fotos geschossen. X-mal überlegt, ob wir alles haben und los ging´s.

Die Hofbesitzer ”Familie Rahn” verabschiedeten sich von uns und wünschten uns viel Glück. In der Zwischenzeit ist auch unser Mattigkeitsgefühl verflogen und machte Platz für ein aufregendes Kribbeln im Bauch.

Burg-Gräfenrode ließen wird darauf hinter uns und schlugen die Richtung Kaichen ein. Quer über die Felder, über einen langgezogenen Hügel. An diesem Tag hatten wir eine gute Weitsicht, so daß wir beim Zurückschauen bis zum Taunus blicken konnten. Oben auf der Anhöhe angekommen, nahmen wir einen kräftigen Schluck aus unseren Flachmann. Sogar Higgins und Nando schauten sich interessiert in der Gegend um. Obwohl sie dieses Gelände kannten, hatten wir das Gefühl, die beiden wissen, daß heute etwas besonderes anstand. Wir hatten super Wetter, die Sonne schien, es war nicht zu heiß und ca. 10:00 Uhr am Morgen. Wir ritten frei der Nase nach.

Als wir Kaichen durchritten, bekam ich mächtigen Respekt vor der Hauptstraße. Eigentlich war nicht viel Verkehr, aber ich hatte noch nicht so viel Reiterfahrung. Die Wagen, die vorbei fuhren, erschienen mir wie Raser. Tina bemerkte meinen Bammel nd sagte "Nando ist ein Verlasspferd". Das beruhigte mich und tatsächlich es gab keinen Zwischenfall.

Den Ort hinter uns lassend, wieder auf weiter Flur, ritten wir in Richtung Naumburg. Das ist ein Schloß, das z. Zt. als Café genutzt wird und auf einem bewaldeten, langgezogenen Berg steht. Unterhalb des Berges erstreckt sich - vom Berg und einer Eisenbahnstrecke eingegrenzt - ein sumpfiger Wiesenabschnitt, der sich von Erbstadt rund um den Berg bis Heldenbergen zieht.

Außerdem gibt es am Fuß des Berges eine alte Mühle, direkt unterhalb der Burg. Diese ist zwar nicht mehr in Betrieb. Jedoch immer noch bewohnt. Ein hübsches, kleines Fachwerkhaus. Ein malerischer Ort.

Wir trabten in Richtung Heldenbergen und bahnten uns einen Weg durch Gestrüpp, an einem Bächlein entlang, vorbei an Schrebergärten zum Ortsanfang. In der Karte waren zwar Wege eingezeichnet, aber in der Realität existierten sie nicht. Diese Feststellung mußten wir leider noch sehr oft machen.

Wir mußten die Schienen überqueren, aber wo? Nachdem wir ein recht unwegsames Gelände durchritten hatten, gelangten wir in ein Neubaugebiet. Leider mußten  wir die Straßen benutzen, es gab keine andere Möglichkeit um über die Schienen zu kommen. So gelangten wir an einen Übergang (ohne Schranke aber geteert). Schnell nach rechts und links geschaut und drüber. Wir bogen links auf einen geschotterten Weg ein, der gerade ein PKW breit war. Er lag direkt neben den Schienen und einer Wohnsiedlung. Ein paar kleinere Bäume und Büsche säumten unseren Weg. Der Blick zur Bahnlinie war aber frei. Wir sperrten ordentlich unsere Ohren auf, ob ein Zug sich näherte. Wir hatten natürlich Bammel, daß vielleicht ein Zug vorbeifährt. Wir wußten ja nicht wie die Jungs sich dann verhalten würden. In unserer Gegend hatten wir noch nicht das Vergnügen die Begegnung mit einem Zug zu testen.

Es kam kein Zug und die Jungs waren trotz der unbekannten Strecke die Ruhe selber. Eigentlich interessierten sie sich mehr für die Grashalme, die unterwegs bis ins Maul wuchsen.

Eine Bundesstraße mußte überquert werden. Gleichzeitig mußten wir unter der Eisenbahnbrücke hindurch. Bei der Vorstellung, was alles passieren könnte wenn ..... wurde mir ganz flau im Magen. Schnell die Lage gepeilt, ein Blitzgerät direkt an der Brücke. Prima, dann müssen die Autos 50 km/h fahren. Ich war erst einmal beruhigt. Tina erschien mir total cool.

Die Straße war frei, wir überquerten sie und ritten unter der Brücke hindurch. Tina und Higgins vorweg. Ich ließ die Beiden immer vorweg reiten, so fühlte ich mit sicherer. Als plötzlich von hinten ein großer, weißer LKW heran donnerte. Wir 4 waren, wie gesagt, bereits auf der anderen Straßenseite und ritten in Fahrtrichtung. Hinter der Brücke ist Ortsende bzw. Aufhebung der 50 Kmh-Grenze. Das Gelände ist danach offen bis Eichen (dem nächsten Ort). Unser Weg entlang dieser Straße führte über einen unbefestigten, schmalen Seitenrand mit Schotter und Gras. Das war ja eigentlich kein Problem, wenn ich nur nicht so eine entsetzliche Angst gehabt hätte. Dieser ”Blödmann” von LKW-Fahrer sieht uns Reiter (davon gehe ich jedenfalls aus, denn blind sollte man nicht durch die Gegend fahren). Tina und Higgins waren schon ein paar Meter voraus, da gibt dieser Mensch genau neben uns so mächtig Gas, das der Motor heulte. Es war nicht einmal ein halber Meter zwischen dem LKW, Nando und mir. Ich dachte der will uns über den Haufen fahren. Der Fahrer muß das sehr lustig gefunden haben, denn sonst wäre er vielleicht mit etwas mehr Abstand und weniger Gas an uns vorbeigefahren. Jedenfalls Nando und ich fanden das überhaupt nicht lustig. Ich hatte alle Mühe Nando zu halten. Er wollte natürlich nichts wie weg. Mit aufgerolltem Hals und im Stechtrab raste er zu Tina und Higgins. Zum Glück! Nach ca. 50 m kam ein Feldweg, in den wir rechts abbogen. Es ging alles so schnell. Da hatte ich die ganze Zeit Angst vor der Bahn und nun hat uns dieser Monstertruck angegriffen.

Das war ein riesiger Schreck für mich. Tina hat das gar nicht so mit bekommen und ich mußte ihr erst einmal lautstark schimpfend erzählen, was da gerade passiert ist.

Sie blieb ganz cool und meinte ich wäre ein "Straßenschisser". Es ist doch alles gut gegangen. Ich soll erst einmal einen ordentlichen Schluck aus dem Flachmann nehmen, dann geht es schon wieder. Seit dem Augenblick hab ich den Namen "Straßenschisser" weg. Immer, wenn wir ausreiten und eine Straße ist zu überqueren, kommt auch diese Bezeichnung für mich. (Obwohl, ich hab mich in der Zwischenzeit enorm gebessert).

Weiter ging´s. Ein größerer Bach (die Nidder) war zu überqueren. Am Ufer hin- und her geritten, war keine Möglichkeit in Sicht rüber zu kommen. Der Bach, etwa 5 m breit und 50 cm tief konnte nicht durchritten werden, da die Stadt die Uferböschung ausgebaggert hat, so daß ein Höhenunterschied von über 1,5 m entstanden war und zwar absolut steil.

Wir erst einmal geschimpft, was haben die sich eigentlich dabei gedacht. Für die Natur ist das nichts und für uns auch nicht.

Wieder unter der Eisenbahnbrücke hindurch (die Eisenbahnbrücke zieht sich in Form einer Mauer mit Bögen drunter, durch das ganze Tal), gab es eine sehr schmale Betonbrücke zum Überqueren. Ist wohl für die Anwohner, dachten wir so vor uns hin.

Da standen wir und trauten unseren Augen nicht. Sie hatte zwar ein Geländer. Aber keines im üblichen Sinne. Es waren Stäbe aus Eisenwinkel, die im Abstand von 15 cm an 2 Querverbindungen befestigt, etwa 60 - 70 cm hoch waren. Zur Krönung des Ganzen hatten diese Stäbe scharfe Spitzen wie Speere. Wir stellten uns vor, wenn ein angetrunkener Anwohner diese Brücke benutzt, muß den Linientest machen, sonst läuft er Gefahr sich aufzuspießen. Nach unten zum Wasser waren es etwa 2 m. Dieses Brückchen war gerade so breit, daß eine normal gebaute Person sie überqueren konnte (ohne Gegenverkehr!). Hier mußten sie absitzen und hintereinander mit "hochgelegten Bügeln" diesen Steg überqueren. Natürlich haben wir uns sofort die tollsten Dinger ausgedacht, was alles passieren könnte, wenn..... Schön ruhig, mit den Jungs ein paar beruhigende Worte gewechselt, haben wir auch dieses Hindernis mit Bravour bestanden. Dafür mußten wir sie erst einmal belohnen.

Die Eisenbahnstrecke haben wir durch ganz Heldenbergen im Zickzack mindestens fünf mal überquert oder sind drunter durch geritten. Irgendwie lag sie auf unserer Route und es war jedesmal sehr spannend. Es sind tatsächlich mehrere Züge vorbeigekommen, aber jedesmal hatten wir Glück, daß wir nicht direkt unter der Brücke waren. Den Jungs hat das an diesem Tag überhaupt nicht interessiert. Ich glaube wir hatten alle Schutzengel die es gibt bei uns.

Es wurde langsam Mittag und uns 4 knurrten schon langsam die Mägen. Ein ganz schmaler Weg schlängelte sich an der Bahnlinie, die sich jetzt hoch über uns befand, zur nächsten Querstraße. Bäume säumten den Weg und ein Reiterhof, der sich anscheinend Mitten im Ort befand lag uns zur Rechten. Hier wollten wir kein Picknick machen und so mußte noch ein Stück geschafft werden, wir hatten bis dahin noch nicht einmal ein Drittel der Strecke geschafft.

So kreuzten wir, aber zum letzten mal, die Eisenbahnlinie. Unter der Brücke hindurch, schlugen wir unseren, jetzt sehr steilen, steinigen Weg, hinter Windeggen-Heldenbergen, auf die Felder hinaus, ein. Auf dem Berg angekommen, fanden wir saftige Wiesen mit Apfelbäumen vor, die uns zum Rasten einluden. Der Ausblick in die umliegende Gegend war atemberaubend. Der Taunus lag schon in weiter Ferne. Die Naumburg war auch nur noch ein kleiner Punkt. Es lag etwas Dunst in den Tälern, so verschwanden die Orte in eine unwirkliche Szenerie.

Wir packten unsere Wanderhalfter aus, zogen die Sättel herunter und ließen die beiden von dem herrlichen Gras zupfen. Sie schnauften zufrieden. Wir waren es auch. Keine Hektik, Motorklänge nur aus der Ferne, es roch herrlich nach Natur. Gras, Wiesenblumen und die Bäume hatten eine Duftmischung, die uns unserem Traum von Freiheit und Abenteuer näher brachten.

Nach einer kleinen Brotzeit brachen wir wieder auf. Den Jungs gefiel die Wiese so gut, daß sie sich gar nicht trennen konnten. Sie ließen sich aber trotzdem brav Satteln und uns schien es als wenn sie neugierig waren auf das was da noch kommt.

Den Wald auf der linken Seite, die Maisfelder auf der Rechten ritten wir Richtung Ostheim. Der Weg war wie ein enger Flur, der Mais war so hoch, daß wir nicht einmal zu Pferde darüber hinweg schauen konnten. Wir legten ein Trabberlie ein. Am Ende des ”Flures” angekommen, tat sich eine atemberaubende Landschaft auf. Felder waren zum großen Teil geerntet und riesige Strohballen lagen in der Ferne in Reih und Glied zum Abholen bereit. Es waren herrliche Sommerfarben und wieder dieser Geruch der Natur. Man roch den Wald.

Wo befanden wir uns jetzt eigentlich? Keiner von uns beiden sprach es aus, jeder dachte es nur. Wir ritten langsam weiter der Nase nach und so wie die Feldwege es uns erlaubten. Nach einer Weile tauchte zu unserem erstaunen, ein riesiger Bauernhof auf, näherkommend, stellten wir fest, dort gibt es jede Menge Westernpferde. Wir waren, so vermuteten wir, am Ortsanfang von Ostheim angelangt. Die Jungs waren aufgeregt. Andere Pferde, die mußten erst einmal begrüßt werden. Nur die Anderen waren wenig interessiert, hatten sie doch eine riesige Koppel mit saftigem Gras. So ritten wir weiter über Hügel und durch Täler. Immer möglichst die Orte nur am Rande zu streifen und weitestgehend auf den Feldern zu bleiben. Stellenweise konnten wir tatsächlich keine Orte sehen. Wir schwärmten ”wie in Amerika”. Man hörte in weiter Ferne die Klänge einer Kirmes und eine Landstraße mußte in der Nähe sein,  das Geräusch fahrender Autos war entfernt zu vernehmen.

Eine weitere Bundesstraße überquerten wir, die zu dieser Uhrzeit nicht so stark befahren war. Leider wissen wir nicht mehr was für ein Wochentag war. Aber das war uns auch zu diesem Zeitpunkt egal. Wir hatten Urlaub und die ganze Freiheit über unsere Zeit selbst zu verfügen.

Die Landschaft wechselte wenig ihr Aussehen. Felder soweit das Auge reichte, hier und da ein paar dunkelgrüne Fleckchen. So ritten wir die Hügel auf und ab in der Hoffnung immer noch die richtige Richtung eingeschlagen zu haben. Unsere Jungs waren gut trainiert und hatten ihren Spaß daran. Zum Glück haben wir vorher auf diesen Ritt zugearbeitet, denn wir waren jetzt schon einige Stunden unterwegs. Wir wechselten öfter die Gangart und kamen so Stück für Stück voran.

Zwischendurch machten wir noch einmal Rast, schauten auf die Karte, da wir uns über die weitere Richtung nicht einigen konnten. Die Diskussion verlief im Sande. Die Jungs zupften wieder von dem Gras, natürlich gab es zwischendurch auch Leckerlies, denn wir fanden so liebe Pferde müssen einfach belohnt werden.

Mittlerweile waren wir schon ganz schön blau, den Flachmann hatten wir fast geleert. Tina meinte plötzlich ich könnte jetzt mal den Higgy reiten. Ich war platt. Ich den Higgins reiten. Ich reite seit 2 Jahren und immer nur den Nando. Das kann ich nicht. Der Higgins ist sooo anders als Nando. Viel jünger und so ungestüm. Außerdem soll ein anderes Pferd ganz anders zu reiten sein. Doch der Alkohol machte mich mutig. Tina sagte weiter "Ach, der Higgins ist jetzt so lange geritten, der ist nicht mehr wild, der ist müde!". Ehe ich mich versah, saß ich auf Higgins und galoppierte davon, d. h. er galoppierte mit mir davon.

Es war irre! So im nachhinein gedacht, war es vielleicht ein bißchen gefährlich als Reitanfänger. Doch Tina und unsere Reitlehrerin Jaqueline meinten, daß ich ein Naturtalent sei. Das hatte mich beflügelt.

Nach einer Weile hatte ich genug und wollte nun doch lieber wieder auf meinem Nando reiten. Den bin ich gewohnt und außerdem ist er weich wie Butter, Higgins nicht. Ich hatte zwar Mühe Higgins zum stehen zu bringen, aber nachdem Tina irgend etwas gebrüllt hatte, blieb er abrupt stehen. Wir tauschten wieder. Puhhhhhhhhh, hatte ich gemischte Gefühle. Aber irgendwie machte sich ein Glücksgefühl in meinem Bauch breit. Ich hab den Higgings geritten. Zum ersten Mal ein anderes Pferd. So kam ich langsam wieder in die Realität. Vom Alkohol merkte ich danach nichts mehr. Man, war das aufregend.

Es war bereits nachmittag, der Wind wurde kalt, die Sonne war noch sehr intensiv. Die Fliegen quälten unsere Jungs, wir halfen ihnen diese Mistviecher loszuwerden allerdings mit wenig Erfolg, so sahen wir zu, daß wir flott weiterkamen.

Noch 2 Stunden sollte es dauern, bis wir in Issigheim ankamen. Es wurde bereits dunkel, als wir das letzte Tal erreichten, welches wir noch durchqueren mußten.

Unsere Muskeln taten weh und wir sind den Rest des Weges neben unseren Pferden gelaufen. Higgins mußte regelrecht gezogen werden. So müde haben wir ihn noch nie gesehen.

Als wir endlich ankamen, stellten wir unsere Freunde als erstes in ihr neues Quartier. Sie schauten ganz traurig durch das Gitter der Boxen. Vermutlich hatten sie gehofft in ihrer eigenen Box zu Hause schlafen zu können. Sie bekamen ihr Futter. Futter stimmt sie immer fröhlich. Dann schnauften sie zufrieden.

Während sie gierig mampften schauten wir uns in dem Stall um, dabei stellten wir fest, daß das Heu uns nicht so gefällt. Also hatten wir für den nächsten Tag gleich einen Auftrag. Zum Glück hatten wir ein Auto hier. Ein Auto macht vieles einfacher.

Uns taten die Knochen so weh, daß wir Probleme hatten unser eigenes Quartier zu erreichen. Es lag im 1. Stock eines Nebengebäudes. Die Koffer mußten auch noch mit hochgenommen werden.

Es war ein Akt. Wir quälten uns die Treppen rauf und jammerten bei jedem Schritt. Den Abend vergessen wir nie. Wir setzten uns aufs Bett und ließen den Tag Revue passieren. Es war ein herrlicher Ritt, diese wunderschöne Landschaft, mit den Jungs eine Einheit zu sein, alles lief so glatt und die vielen, neuen Eindrücke, die wir gesammelt hatten.

Die Landschaft hier ist wirklich traumhaft. Leider gibt es auch hier Straßen. Wie schön muß es sein, wenn alles nur Natur wäre, ohne größeren Eingriff des Menschen. Ja, ja ich höre schon auf zu träumen.

Diese Nacht haben wir wie tot geschlafen. Es war sehr warm im Zimmer und wir schliefen bei geöffnetem Fenster. Die Mücken haben uns in dieser Nacht wirklich nicht interessiert und am nächsten Morgen hatten wir einen malerischen Blick aus unserem Zimmerfenster auf den Hof. Eingerahmt mit Efeu, blickten wir auf das gegenüberliegende Gebäude ”der Rosenhof”.

Erster Tag in Issigheim

Aufgestanden, fühlten wir uns wie alte Frauen. Großes Gejammer, mit tut dies weh, mir tut das weh. Das war aber schnell vergessen, denn die Frage, wie es wohl unseren Babys geht, war uns doch wichtiger. Tina hatte Bedenken wegen Kreuzverschlag, trotz Training.

Nach einer Katzenwäsche, in die frischen Westernklamotten gesprungen, sofort in die Ställe maschiert. Den Zweien ging es prächtig, sie begrüßten uns mit einem Wiehern (Higgins) und einem Brummeln (Nando).

Nachdem die Begrüßungszeremonie beendet war, gab es Frühstück und wir gingen mal die Lage peilen, was denn so für uns noch Eßbares zur Verfügung stand. Wir lebten ziemlich zeitlos, so war die Frühstückszeit längst vorbei. Aber wir bekamen trotzdem noch eine leckere Mahlzeit. Beim Essen besprachen wir, wie wir unseren ersten Tag gestalten. Es stand fest, daß wir an dem Tag unbedingt reiten müssen, wir wollten auf keinen Fall, daß die Jungs doch noch Kreuzverschlag bekamen. Außerdem würde das unserem Muskelkater auch nicht schaden.

Also machten wir uns daran den ersten Ausritt in Issigheim vorzubereiten.

Nando fand seine Gamaschen ätzend, er wollte sie immer wieder ausziehen. Der hat überhaupt immer eine Menge Unsinn im Kopf. Ich habe noch nie ein Pferd mit so viel Einfallsreichtum erlebt.

Den Kindern auf dem Hof ist nicht entgangen, daß da ein paar Neue angekommen sind und beäugten uns neugierig. Wir wurden immer wieder gefragt, ob wir richtige Cowboys wären, was wir amüsiert bejahten.

Der Hof liegt mitten im Ort und man reitet etwas 5 - 10 Minuten bis man die Felder erreicht. Ich, der Straßenschisser hatte bedenken. Was auch sonst, aber die Leute in diesem Ort sind sehr pferdefreundlich und ich verlor meine Bedenken schnell. Natürlich muß man immer aufpassen, wenn man durch die Straßen reitet, aber so verrückt, wie am Tag zuvor der LKW-Fahrer, sind ja nicht alle Menschen.

Wir machten unseren Muß-Ritt, der sich später als sehr schön herausstellte. Denn das Reitgelände um Issigheim herum ist landschaftlich wirklich schön. Auch das Wetter spielte wieder mit. Wir sind wie die Pfadfinder durch den Wald geritten und gelaufen und hatten alle 4 eine Menge Spaß dabei. Später bekamen wir eine Koppel für die Jungs mit Apfelbäumen. Das fanden die 2 herrlich, Gras und Äpfel was will das Pferd mehr.

Nachmittags machten wir uns auf den Weg 1 -2 Heuballen für die Jungs zu besorgen. Im nächsten Ort Richtung Bruchköbel, Roßbach fanden wir einen Bauer, der noch kleinere Ballen erzeugt, die wir uns kauften.

Alles in Tinas alten Mercedes "Enzy" verstaut, ging es zurück zu unseren Lieblingen.

Die Tage vergingen sehr schnell. Wir hatten uns alle 4 gut erholt.

 

Leider weiß ich keine Details mehr zu unserem Heimritt, der war weniger ereignisvoll.

Das war unsere erstes Abenteuer. Ein Traum der wahr wurde. Wir werden ihn nie vergessen.

 

 

 

 

Dotthy

 

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