Zweiter Wanderritt
Der Rosenhof
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Unterhalb der Naumburg
Am Waldrand kurz vor dem Regen
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Ein Hirschkäfer begegnet uns
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Unser Eingang zu unserem Zimmer auf dem Rosenhof
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Nicht unüblich, Pferde im Garten
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Unterwegs im Wald von Issigheim
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Blick vom Hof zur Straße
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Unser zweiter Ritt nach Issigheim in
den Reiter-Urlaub

 

Es sollten 2 Jahre vergehen, bis wir im Frühjahr 1997 erneut beschlossen einen Urlaub mit den Pferden zu machen.

Zunächst träumten wir von einem entfernt gelegenerem Urlaubsort, wie Bayern, wo Tina eigentlich her ist. Uns fielen auch noch ein paar andere nette Ziele ein. Aber leider reichte unser Etat nicht. Außerdem wäre es dann doch eine Autotour geworden.

Nach längerer Diskussion hin und her, meldeten wir uns kurzer Hand wieder bei der Familie von Schwerdtner auf dem Rosenhof an. Diese netten Leute waren hoch erfreut, daß wir wieder kommen wollten und sagten uns sofort einen freien Termin zu, der außerhalb der Ferienzeit lag. War es doch für Sie ein gutes Zeichen unserer Zufriedenheit, beim letzten Urlaub auf dem Rosenhof. Außerdem hatten wir eine gewisse Attraktivität als “Cowgirls”.

Große Vorbereitungen, wie beim ersten Mal, brauchten wir dieses mal nicht, hatten wir doch unseren ersten Urlaub noch gut in Erinnerung.

Unsere Organisation verlief nach Plan. Dieses mal wurden die Dinge noch zugepackt, die uns beim letzten Mal gefehlt hatten. Die Kleidung war etwas luftiger gewählt, denn es entwickelte sich ein sehr heißer Sommer.

So hatten wir beim letzten mal nicht an die Fliegen gedacht, die unsere Jungs immer quälten. Jetzt war die kleine Flasche Mückenspray dabei.

Die Route hatten wir noch gut im Kopf, so daß wir uns vornahmen, Heldenbergen großräumig zu umreiten.

 

So ging es also wieder los!

Was waren wir wieder aufgeregt!. Wie beim ersten Urlaub, war das Geschnatter groß.

Auch dieses Mal gab es, im Stall angekommen, Begrüßungsleckerlies. Kurz vor dem Aufsitzen wurden die Beiden noch einmal gut eingesprüht, damit sie uns nicht nervös hin- und herzappeln, wenn wieder Fliegenattacken angesagt waren.

Wir schlugen also, wie beim ersten Mal auch, die Richtung Kaichen ein. Nur dieses Mal nahmen wie an der Hainmühle angekommen, den sehr steilen, steinigen Weg hoch zur Naumburg, auf uns. Der Weg war so steil, daß wir absitzen mußten und die Pferde führen. Wir glaubten, so ein gutes Stück abkürzen zu können. Was sich aber wenig später als Trugschluß herausstellte, denn oben angekommen, suchten wir verzweifelt einen Weg, diesen Bergkamm komplett zu überqueren. Hatten aber nicht eingeplant, das es Zäune gibt.

Also ritten wir um die Burg herum, auf einem schmalen Trampelpfad über eine steil herabfallende Wiese, die wieder zurück auf den unteren Wiesenteil, um die Burg herum führte. Es folgte ein schaler Weg, eingegrenzt von hohen Hecken (dahinter vermuteten wir Gärten mit alten Obstbäumen). Er brachte uns auf einen Zickzackkurs zu dem Bächlein, das am Fuß des Berges dahin plätschert. Ein begrünter Übergang, vermutlich für die Landwirtschaft gedacht, ließ uns den Bach überqueren. Wir hielten uns linker Hand und kamen an einer kleinen Koppel vorbei, auf der einige Haflinger zufrieden weideten. Beim Näherkommen beäugten sie Nando neugierig (der sieht ja aus wie wir). Doch wir hielten uns nicht lange auf. Nach kurzem Beschnuppern ging es weiter.

Heute waren die Jungs nicht so gut drauf, wir übrigens auch nicht. Die Wärme quälte uns. Nun konnten wir ein kleines Stück unseres Wegs galoppieren. Im Rausch der Geschwindigkeit vergaßen wir unseren Unmut. Wenn es auch nur ein kurzes Stück war, es hatte uns allen Vieren gut getan.

"Ach, es ist so warm, laß uns einen Schluck trinken."

Wir hatten uns eine große Plastikflasche mit Whisky/Cola eingepackt. Nur wo war die auf einmal? Alles Gepäck durchsucht, in der Umgebung umgesehen, es half nichts, die Flasche war weg. Wir hatten sie beim Galopp über die Wiese verloren. Das Gras war hier sehr hoch und den Gedanken, sie je wieder zu finden, mußten wir schnell aufgeben. Die Gesichter wurden lang. Tina und ich sprachen im Chor: ”Das fängt ja gut an”.

Tina meinte dann: "Wir haben noch den Flachmann mit dem Schnaps". Was soll´s, dachten wir, trinken wir eben den. Vielleicht ist unsere Laune danach ja wieder besser. Leicht angeschwippst (was sich übrigens auf unsere Freunde übertrug, sie wurden für eine kleine Weile ruhiger), ritten wir weiter. So gelangten wir weit, hinter Heldenbergen, wieder in die Nähe der Bundesstraße, die nach Altenstadt führt. Weil wir aber diese nicht gleich wieder überqueren wollten, ritten wir noch ein Stück über die Felder, mehr oder weniger an der Straße entlang.

Higgins war in der Zwischenzeit wieder besonders zappelig geworden und schon total naß geschwitzt - das Zuviel an Araber kam wieder durch - . Wir hielten nach einer Möglichkeit Ausschau, auf die andere Straßenseite zu gelangen. Schließlich entdeckten wir einen Feldweg, der unsere Straße kreuzte. Wir mußten nur noch eine kleine Böschung und einen kleinen Wassergraben überwinden. Die Straße ist stark befahren. Also aufgepaßt, daß kein Auto kommt, schnell das Hindernis hinter uns lassend, überquerten wir sie. Wir schlugen die Richtung Altenstadt, bzw. Eichen ein. Der Weg war nun geteert. Es ist eine Fußgänger-Verbindung der Orte Heldenbergen und Eichen, die man zu Fuß oder mit dem Fahrrad benutzen konnte.

Nando war einigermaßen lieb, nur Higgins war besonders nervig. Er hatte es dauernd so eilig und viel nach einigen Schritten "Scheritt" gleich wieder in "Trab". Tina schimpfte die ganze Zeit und wiederholte immer wieder, wie eine Schallplatte die Worte "Isi, isi, isi,", was so viel bedeutet wie langsam, langsam, langsam. Von der schönen Wiesenaue, die wir gerade überschritten, haben wir wenig wahrgenommen.

Es war mittlerweile eine brütende Hitze und es war für uns sehr anstrengend. Was vermutlich unsere zwei Freunde so unruhig werden ließ. Wir hatten alle Mühe uns auf unseren bevorstehenden Urlaub zu freuen, geschweige eine fröhliche Unterhaltung zu führen. Obwohl wir uns immer wieder sagten "wir reiten bei jedem Wetter, wir sind nicht so wie die anderen Reiter!". Die Nidda kreuzte, wie beim letzten Mal, unseren Weg, die wir diesmal Flußaufwärts entlang des Wiesensaums ritten. Ich ritt mit Nando vorweg. Plötzlich fing Tina an zu brüllen. Wutentbrannt machte sie Higgins zur Schnecke. Ihre Worte verstand ich erst garnicht. Als ich mich umsah, war sie schon abgesessen. Ich hab erst gar nicht mit bekommen, was passiert ist. Dann sehe ich wie sie mit ihren Zügeln herumfuchtelt und schimpft was das Zeug hält. Da hab ich begriffen.

Der Zügel ist irgendwie bei der ganzen Zappelei gerissen. Tina war stocksauer, sie wollte wieder nach Hause. "So können wir unmöglich weiter reiten. Heute geht aber auch alles schief....."

Oh je, ich hatte alle Mühe cool zu bleiben und sie erst einmal zu beruhigen. Ich schlug ihr vor, daß ich den Zügel repariere. "Wie willst du das denn machen? Hier mitten im Nichts, weit und breit kein Mensch" brüllte sie verzweifelt. ”Nun” sagte ich "ich habe doch das neue Messer mit, ich werde jetzt ein Loch in beide Enden schneiden, dann nehmen wir einen Lederriehmen von den Packtaschen, wir haben genug mit davon und knoten das ganze zusammen". Noch etwas zweifelnd ließ sich mich machen. Ich hab mir dabei natürlich noch in den Finger geschnitten, weil das Messer sauscharf war, aber ich hab es hinbekommen. Es funktionierte.

Das Wetter wurde immer unerträglicher, schwül und stickig. Uns war übel. Wir fragten uns was wohl den Pferden durch den Kopf ging. Tina hatte Angst um die Beiden. Wir hatten kein Wasser mehr für Sie, es war leer. So erreichten wir Eichen von der Flußseite und gelangten ins Wohngebiet. Wir diskutierten darüber, wie wir jetzt an Wasser für Pferde kommen sollen. Und wenn ja, ob sie es auch trinken würden. Pferde trinken längst nicht jedes Wasser. Durch eine Sackgasse reitend, peilten wir in die Häuser und Vorgärten. Kein Mensch war zu sehen. Niemand hielt sich im Garten oder vor der Tür auf. Kein Wunder, dachten wir bei der Hitze sitzen alle im Schatten. So entschlossen wir uns, einfach irgendwo zu klingeln. Bei den ersten beiden Häusern hatten wir kein Glück. Aber am dritten Haus wurden wir freundlich empfangen und man gab uns einen Putzeimer mit Leitungswasser.

Wie erwartet, tranken die beiden nicht. Nun ging es los, warum nicht? Die Leute holten abgestandenes Wasser, auch nicht. Die Leute spülten den Eimer nochmals aus, auch nicht. Wir verzweifelten und es war uns auch peinlich. Beim dritten Versuch, wieso wissen wir bis heute nicht, tranken sie etwas. Wir füllten unsere Flaschen auf und fragten uns gleichzeitig, ob das bißchen Wasser den Beiden auch reichen würde.

Es war bereits Mittag geworden und wir mußten weiter. An dem Tag hatten wir so gut wie keinen Hunger. Das war nicht verwunderlich bei der großen Hitze. Wir stellten uns vor irgendwo durch die Wüste zu reiten.

Bei den netten Leuten bedankten wir uns tausendmal und auf die Frage, ob wir ihnen für den Umstand etwas bezahlen könnten, reagierten Sie mit ablehnender Haltung. Wir waren mächtig positiv beeindruckt, was es doch für nette Menschen gibt. So, ritten wir weiter.

Unsere Richtung schlugen wir rein gefühlsmäßig ein. Über den Bürgersteig reitend an der Hauptstraße entlang. Von Eichen in Richtung Ostheim (wir hatten wieder mal nicht in die Karte geschaut). So zogen wir unseres Weges. Unser Weg führte uns erneut über die Nidda und einige hundert Meter nach rechts bogen wir ab. Dort gab es ,mitten im Feld, noch einen Übergang über alte Bahnschienen.

Jetzt ging es, über einen sehr langen Schotterweg, quer über eine weit ausgedehnte Wiesenfläche, auf einen sehr alten Wald zu, weiter. Es war ein Mischwald mit sehr großen Bäumen die mächtig dicke Stämme hatten. Wir bemerkten, daß sich der Himmel langsam verdunkelte, es war immer noch schwül, aber man konnte einen Wetterwechsel erahnen. Den Wald zur Rechten und Wiesen, eingerahmt mit großen Pappeln, zur Linken erhob sich der Weg langsam auf einen steilen Hügel zu. Auf halber Höhe, hatten wir das Gefühl, wir müssen uns weiter links halten, sonst verirrten wir uns. Zu einem viel späteren Zeitpunkt wurde uns klar, daß Ostheim bereits hinter diesem Hügel lag. Wir gelangten an eine Straße und stellten fest, das muß die Straße sein, die von Eichen nach Ostheim führt. Immer noch keine Ahnung davon, das Ostheim schon so nah war, kam uns der Wald auf der anderen Seite sehr bekannt vor. Wir ahnten zumindest, hier sind wir richtig. Zwei Jahre zuvor waren wir ganz in der Nähe (nämlich gerade einmal eine Straßenbiegung weiter) auch an dieser Straße angelangt.

Die Jungs waren für eine Weile ruhiger und wir konnten die Straße ohne Probleme überqueren. Auf der anderen Seite ritten wir ein kleines Stück in den Wald hinein, sahen dann aber wieder zu, daß wir zurück in Feldnähe kamen, damit wir uns besser orientieren konnten. Denn im Wald hatten wir kein Gefühl für die Richtung, die wir einschlagen mußten. Weit ab von Straßen, am Waldrand, machten wir Rast. Ganz leise hörte man ein Gewitter herankommen. Ich machte ein paar Fotos. Tina packte etwas zu essen aus und gab auch den Jungs eine kleine Mahlzeit. Hier hielten wir uns aber nicht so lange auf, denn das ferne grollen eines Donners machte uns unruhig.

Noch ein Stück am Waldrand entlang, nahmen wir einen Feldweg, der uns vom Wald weg auf einen Hügel heraufführte. Plötzlich begann es zu Regnen. Der aufkommende Wind fuhr uns allen vier durch die Haare. Er war so heftig, daß wir unsere Hüte sogar festhalten mußten. Wir entschlossen uns schlagartig, hintereinander den Hügel hoch zu traben, bis wir an eine Straße gelangten. Wir vermuteten sie oben auf dem Bergkamm, denn es waren da oben Autogeräusche auszumachen. Geräusche wie von einer fernen Landstraße. Es begann zu blitzen und zu donnern.

Nando und ich ritten vorweg. Er war wirklich vorbildlich cool.

Da war die Straße tatsächlich. Schnell nach allen Seiten umgeschaut, den Kragen hochgezogen, nach Tina und Higgings umgesehen, wurde mir klar, wir mußten ein Stück auf dem Seitenstreifen dieser Straße entlang, um einen geeigneten Übergang zum nächsten, gegenüberliegenden Feldweg zu finden. Es gab keine Möglichkeit sich irgendwo unterzustellen und der Regen prasselte ohne unterlaß. Die Blitze sausten um uns herum. Dieses Unwetter abzuwarten bis es vorbei war, war viel zu gefährlich. Wir trabten so schnell es ging, mit fliegenden Fahnen am Straßenrand entlang. Endlich, es gab eine Möglichkeit auf die andere Straßenseite zu kommen. Die Feldwege hier waren zum Teil geteert oder geschottert. Nando autschte normalerweise auf solchen Wegen, aber in dieser Situation hat man ihm nichts davon angemerkt. Er trabte tapfer vorneweg und achtete darauf, daß Tina uns Higgins uns folgten. Er hielt immer wieder an und sah sich um. Unglaublich dieses Pferd. Ich ließ ihn gewähren. Wir hatten eine riesige Angst vor den Blitzen. Vor allem Tina, die hat bei Gewitter sowieso entsetzliche Angst. Aber auch sie hat sich toll zusammengerissen. Es verging eine ganze Zeit bis wir einen Ort erreichten, den wir nicht kannten. In der Karte hatten wir ihn zuvor auch nicht gesehen.

Wir vermuteten, daß wir uns ganz gehörig verritten hatten.

Zwischen den Häusern suchten wir Schutz. Ein Unterstellen war auch hier nicht möglich, aber wenigstens waren die Häuser höher als wir. Jeder weis ja, daß Blitze sich immer den höchsten Punkt zum einschlagen suchen. Zwischendurch, der Regen ließ etwas nach, sahen wir eilig in die Karte. Wo befinden wir uns eigentlich? Jeder fand einen anderen Ort auf der Karte, der es sein sollte, wir konnten uns so recht nicht einigen. Um einen Streit zu vermeiden, packten wir die Karte wieder ein.

Das Gewitter hatte sich wieder verzogen, es tröpfelte nur noch etwas, so daß wir uns weiter auf den Weg machen konnten. Da ist ein Ortsschild sagte Tina. Oh ja, du hattest doch recht, das ist "Butterstadt" sagte ich.

Nachdem wir, vermutlich die Hauptstraße, des Ortes überquert hatten, gelangten wir auf ein sumpfiges Wiesenstück mit sehr hohem Gras, in 500 m Entfernung tauchte eine Pappelallee auf, die Mitten auf dem Wiesenstück wuchs. Danach erstreckten sich wieder Felder so weit das Auge reichte, wir hatten das Gefühl dies muß der richtige Weg, bzw. die richtige Richtung, sein.

Es war bereits nachmittags und es konnte einfach nicht mehr sehr weit sein. Wir trabten frohen Mutes über die Wiese. Die Luft war wieder etwas erträglicher geworden und unser Ziel war auch nicht mehr weit. Tina meinte, wenn ich auf den Boden aufpasse, könnten wir bis zu den Feldern galoppieren. Sie hatte immer ein wenig Angst, daß sich die Pferde verletzen könnten. Ich sagte ja, auf geht’s. Wir 4 hatten eine mords Gaudi an der ausgelassenen Hatz.

Doch plötzlich wird mein Nando langsamer und stoppt. Ich schimpfe, was soll denn das, los weiter du Faulpelz. Ich schickte ihn vor, aber wer wollte nicht. Nach mehreren Versuchen nahm ich meine Sporen. Hätte ich es doch nicht getan. Vor uns lag ein Wassergraben, den man nicht sehen konnte, er war völlig überwuchert von dem Gras. Nur unser Nando, das Naturkind, hat das irgendwie geahnt (wir rätselten später noch herum wie diese Pferd so etwas bemerkt). Er gehorchte auf die Sporren und setzt zum Sprung an und ehe ich mich versah, waren wir auf der anderen Seite und ich knalle mit voller Wucht auf das Horn an meinem Westernsattel. Mir standen die Tränen in den Augen und ich schwor mir, das passiert dir so schnell nicht mehr. Tina mußte natürlich lachen. Mir soll noch einmal jemand sagen, Pferde sind dumm.

Na ja, wie sagte meine Oma immer, aus Schaden wird man klug.

Im Schritt ging es dann weiter über die Felder, eine Anhöhe hinauf über einen sehr matschigen Feldweg zu einem Aussiedlerhof. Den Weg wäre ich gerne getrabt, aber Tina meinte, nur wenn sie voraus reiten darf und grinste dabei. Klar ich vergaß, daß man danach völlig paniert aussieht. Also ließen wir das und gingen schön brav im Schritt weiter. Als wir dann wenig später um diesen Hof herumritten, stellten wir fest, das ist ja schon Issigheim. Jetzt müssen wir nur noch diesen Berg hinunter und dann sind wir fast da.

Auf dem Hof gab es Rinder, die uns gar nicht mochten, sie kamen schnaufend auf uns zu gerannt, und zwar so heftig, daß wir befürchteten der Zaun würde das nicht aushalten.

Instinktiv nahmen wir; unsere Beine ganz fest zusammendrückt an unsere Pferde, die Zügel fest in der Hand, cool im ”Schritt”, reiß aus. Im Rücken noch die große Freiheit, tauchten vor uns die ersten Wohnhäuser auf und die Zivilisation hatte uns wieder. Den Hügel herab reitend, gelangten wir an die Hauptstraße des Ortes und warteten auf dem Bürgersteig (hoch zu Pferd), mit gedrückter Fußgängerampel, auf Grün und ritten dann über die Straße in den Ortskern.

Todmüde und pitschnaß kamen wir an diesem Abend, ca. 18:00 Uhr, auf dem Rosenhof an. Wie gute Cowboys, haben wir erst Nando und Higgins versorgt.

Duschten danach und gingen wir in die Dorfschenke um etwas ordentliches essen.

In dieser Dorfschenke sollten wir die folgenden Tage zur Attraktion werden. Warum? Na ja, die Herren der Schöpfung fanden uns sehr sympathisch, denn eine blonde, blauäugige und eine schwarze, grünäugige junge Dame, das ist ein interessantes Paar, fanden sie.

 

Die folgenden Tage in Issigheim

 

Das Wetter war leider sehr wechselhaft und wir konnten nicht immer mit Nando und Higgins ausreiten, was wir natürlich sehr bedauerten. Eine Koppel hatten wir dieses Mal auch nicht für sie bekommen können. So mußten wir notgedrungen ab und zu in die Reithalle, die zum Hof gehörte. Was natürlich weit aus weniger Spaß machte. Aber bei jedem Sonnenstrahl, der zu sehen war, ging es wieder raus mit ihnen. So oft wir Lust hatten, konnten wir bei den Jungs sein. Tag und Nacht. Dann gingen wir in die Boxen und knuffelten nach Herzenslust mit ihnen und stopften ihnen die Mäuler voll leckerer Dinge. Die beiden können wirklich Schätze sein. Als Ponys haben sie natürlich ihren ganz eigenen Kopf. Wenn man aber weiß, wie man mit ihnen umgehen muß, sind es die liebsten Pferde der Welt.

Ich hatte in einem Katalog für Westernreiter wunderschöne Zügel gesehen. Den Katalog hab ich, per Zufall, im Koffer gehabt.

Mit einer Telefonkarte konnte man im Haupthaus an einem Fernsprecher telefonieren, so hab ich uns ein Paar neue Zügel bestellt. Waren nicht billig, muß ich zugeben, aber wir haben sie heute noch und sie sind prima. Geteilte Westernzügel aus einem weichen, geflochtenen Material, wie Seide nur dicker. Zweifarbig, beige und weiß mit Lederenden.

Einige Tage später kamen sie in einem kleinen Päckchen und das Thema Zügel war nur noch eine kleine Nebensache.

Wir überlegten uns, ob wir nicht ein Reitabzeichen machen sollten, hier auf dem Rosenhof hätten wir die Gelegenheit dazu. Bei den Kindern stand in den kommenden Tagen ein Prüfungstermin diesbezüglich an. Aber es ist bis heute nur eine Überlegung geblieben. Wir machten dann doch lieber Ausflüge in die nähere Umgebung.

Jeden Tag suchten wir uns, sofern das Wetter mitspielte, neue Ziele aus, die wir versuchten zu erreichen. Leider haben wir es nie geschafft, die Ronneburg zu besuchen, d. h. zu Pferd. Das soll ein sehr schöner Trip, von Issigheim aus, sein.

Wir waren in Hammersbach und haben dort ein Arabergestüt besucht. In einer Alten Mühle haben junge Leute einen Reitstall eingerichtet und züchten dort Araber aller Couleur. Von dort aus wurden auch Wanderritte angeboten. Uns hatte ein Ritt interessiert, der Rund um die Glauburg ging. Doch als wir später den Preis für diesen Ritt erfuhren, mußten wir dankend ablehnen.

Die Strecke zwischen Hammersbach und Issigheim ist ein sehr abwechslungsreiches Gelände sowohl fürs Reiten, als auch fürs Auge. Es gibt Seen, Wiesen, Felder, Schluchten, Wälder, Teiche und vieles mehr. Wir schauten auf jeden Grashalm, ob nicht ein schöner Schmetterling darauf sitzt. Oder ob wir andere Kleinigkeiten bemerken konnten, die die Natur für uns bereit hielt. Wir kamen wieder voll auf unsere Kosten was das Marlboro-Gefühl betraf, eben die große Freiheit. Jauchzend rasten wir über die Felder und hatten unbeschreiblich beschwingte Gefühle.

An einem dieser Rückritte unserer Ausflüge erinnere ich mich noch genau, den werden Tina und ich wohl niemals wieder vergessen. Vielleicht auch unsere Jungs nicht.

Es war Nachmittags, wir ritten durch einen Nebenort von Issigheim zurück zum Stall.

Ausgelassen und beschwingt wie immer, hatten wir nichts böses im Sinn. Wir mußten, wie schon tausendmal, nur noch eine Hauptstraße überqueren, durch einen Wald, über 2 Felder und wir wären wieder auf dem Rosenhof. Ein Sache von einer halben Stunde.

Wir suchten uns immer Wege aus, die so wenig wie möglich von Straßen gekreuzt wurden. Aber leider ist das in Deutschland nicht sehr häufig der Fall.

Eben an dieser Hauptstraße war, wie soll es anders sein, eine kleine Wiese ohne Zaun, diese Wiese ging über in eine ca. 1,5 m hohe Böschung, die hinunter zu einer Bushaltestelle auf den Bürgersteig führte. Nando und ich ritten, wie gewöhnlich, hinter Tina und Higgins her. Ich überlegte gerade, wie man die Böschung am besten runter reitet. Seitwärts am besten, dachte ich so vor mich hin und ich glaubte Tina auch.

Sie stand mit Higgins bereits direkt oben an der Böschung, als er mal wieder einen seiner Ausraster bekam. Ab und zu hat er widerwillige Anwandlungen, die wir auf ein zuviel des hinein gezüchteten Arabers deuten. In einem solchen Fall hört er auf keinen Schenkel und keinen Zügel, nichts mehr, er will nur noch seinen Kopf durchsetzen, was immer das auch sein mag.

Er fing aus dem Nichts an herum zu trappeln, immer mehr mit dem Hinterteil in Richtung Böschung und dann ging alles so schnell wie noch nie. Ich sah alles wie in einem Zeitraffer, den man später Bild für Bild neu betrachten kann. Klick, klick, klick.

Higgings zappelte, stieg, verlor das Gleichgewicht und stürzte hinterrücks die Böschung hinunter. Beide rollten gleichzeitig nebeneinander, übereinander runter, ohne sich dabei zu berühren. Tina war zwar geistesgegenwärtig abgesprungen, aber leider zur falschen Seite. Die beiden überrollten sich also und das ganz merkwürdig. Denn Higgins rollte über seinen Rücken, wieder auf seine Beine, sprang mit allen Vieren in die Luft, sah dabei zwischen seine Beine hindurch, unter sich. Gleichzeitig rollt Tina hinterher, landet zusammengerollt, die Hände über den Kopf haltend, direkt unter Higgins Bauch. Er also noch in der Luft, sah unter sich Tina, riß Vorder- und Hinterbeine auseinander, so daß Tina genau unter seinem Bauch durch die Vorderbeine auf die Straße sah. Das geschah auf dem Bürgersteig direkt an der Bushaltestelle. Higgins war völlig verstört, er lief los und blieb mitten auf der Hauptstraße stehen. Tina rappelte sich in der Zwischenzeit wieder auf und rannte zu ihm. Schaute sogar geistesgegenwärtig nach rechts und links und holte das Pferd wieder zurück auf den Bürgersteig. Ich stand immer noch fassungslos oben auf der Böschung. Tausend Gedanken hatte ich gleichzeitig. Du mußt helfen! Hoffentlich ich nichts passiert! Ein Krankenwagen! Wo ist das Handy? Was ist mit Higgins! Was ist, wenn Tina stirbt! Nach einer endlosen Sekunde sagte völlig fassungslos "Tina du lebst?". In meinem Kopf hämmerte es "Sie lebt, sie lebt!" Natürlich bekam ich zuerst keine Antwort. Tina beschimpfte nicht einmal Higgins, beide hatten einen gehörigen Schock.

In der Zwischenzeit war ein Taxi gekommen, der Fahrer hielt sofort an, stieg aus und fragte nach, ob er helfen könne. Doch Tina lehnte dankend ab und meinte es sei wieder alles in Ordnung. Der Taxifahrer mußte das ganze gesehen haben, er schüttelte den Kopf, und schien auch leicht verwirrt, sah aber, daß beide auf den Beinen waren und stieg, nach dem er sich ein zweites mal erkundigt hatte, wieder in den Wagen.

Wir hatten beide unsere Australischen Lederhüte an. Das war Tinas Glück. Denn der hatte wie ein Sturzhelm gewirkt. Etwas zerbeult war der Hut, aber das war Nebensache. Ich hatte Angst, Tina könne eine Gehirnerschütterung haben, ober noch Schlimmeres. Aber Gott sei Dank es ging ihr soweit gut. Sie hatte sich an der Augenbraue gestoßen und eine kleine Platzwunde vom Sturz abbekommen. Wenig später wurde ein blaues Auge daraus.

Nun, das war das heftigste aller Erlebnisse, die ich bis dahin zu Pferd erlebt hatte.

Nando und ich ritten dann vorbildlich die Böschung hinunter und Tina schallt Higgins er solle genau hinsehen, wie man so etwas macht.

Mit riesigen gemischten Gefühlen im Bauch ritten wir zurück zum Stall.

Tina hatte ihr Vertrauen zu Higgins verloren und es sollte eine ganze Weile dauern, bis das wieder aufgebaut war. Später im Gelände saß sie noch einmal ab und untersuchte ihn gründlich auf irgendwelche Verletzungen, aber außer einem Schock, hatte er nichts. Sogar der Sattel ist bei der Aktion heil geblieben.

Wir fuhren dann noch in eine Apotheke um etwas für die Augenbrauenverletzung zu kaufen. Zum Arzt wollte sie partout nicht.

Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes mit einem blauen Auge davon gekommen.

 

Ich habe danach die ganz Aktion immer wieder vor Augen gehabt und mir im nachhinein noch schreckliche Gedanken gemacht, was wohl wäre wenn.... Aber mit der Zeit hat sich das wieder beruhigt.

Tina mußte am darauffolgenden Abend auf eine Hochzeit. Ihre Eltern wollten sie abholen. Sie machte sich die ganze Zeit Gedanken, ob die Eltern etwas bemerken würden. Ich mußte schwören nichts zu sagen. Als es soweit war, hatte sie sich herausgeputzt und so geschminkt, daß man überhaupt nichts bemerkte. Nicht einmal die kleine Schwellung am Auge war aufgefallen.

 

Es war trotzdem ein sehr schöner Urlaub, mit einem kleinen bitteren Beigeschmack. Aber wir lernen ja jeden Tag dazu.

 

Hier endet dieses Erlebnis fürs Erste.

 

Ich hoffe es hat euch Spaß gemacht diese Story zu lesen.

 

Und vielleicht habt ihr jetzt Lust bekommen, so etwas selbst einmal zu machen.

Hoffentlich hat Euch die Story nicht abgeschreckt.

 

 

 

Dotty

 

 

 

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